Das Ausmaß der Verstöße gegen die Rechte von Kindern im Sudan ist erschütternd, und das Versagen, sie zu schützen, setzt sich fort. Kinderrechtsverletzungen im Sudan sind weit verbreitet, schwerwiegend und systemisch. Sie sind größtenteils Folge des anhaltenden Konflikts, der im April 2023 ausgebrochen ist.
Kein Ort, den man Zuhause nennen kann
„Vor dem Krieg hatten wir einen Garten. Dort habe ich die Tiere beobachtet und gespielt. Jetzt gibt es keinen Garten mehr, keine Tiere und nichts, womit Kinder spielen können.“
Die Vertreibungskrise im Sudan ist nach wie vor die weltweit schlimmste für Kinder. 13 Millionen Menschen wurden vertrieben und Kinder auf der Flucht vor der Gewalt oft von ihren Eltern getrennt. Kinder leben in Notunterkünften oder sind auf sich alleine gestellt – ohne Schutz und ohne Sicherheit.
Mein Alltag ist sehr schwierig geworden. Früher konnten Männer und Frauen Arbeit finden, aber jetzt gibt es keine Arbeit mehr und alles ist teuer geworden, erzählt eine Betreuungsperson und Vertriebene.
War Childs Partner berichten, dass Kinder inzwischen mit Herausforderungen konfrontiert sind, die früher selten vorkamen, darunter Kinderarbeit und Kinderehen.

Ein lokaler Partner erklärt:
Unsere Arbeit hat sich von entwicklungsorientierten Programmen hin zu Nothilfemaßnahmen verlagert. Wir konzentrieren uns nun stärker auf Kinderschutz, psychologische Betreuung und Unterstützung im Umgang mit Vertreibung.
Kinder leiden am meisten unter Kriegen
Zivile Orte, an denen Kinder eigentlich sicher sein sollten – wie Wohnhäuser, Krankenhäuser, Märkte, Schulen und Unterkünfte für Vertriebene – sind Ziel anhaltender Angriffe.
Es werden Vergewaltigungen und sexuelle Übergriffe dokumentiert, darunter auch solche an sehr kleinen Kindern. Sexuelle Gewalt wird als Kriegswaffe eingesetzt, und Kinder, insbesondere Mädchen, sind schwerem Missbrauch ausgesetzt. Zugang zu Unterstützung haben sie selten.
Die Erfahrungen mit extremer Gewalt, Verlust und Instabilität hinterlassen Spuren. Viele Kinder zeigen Anzeichen großer seelischer Belastung, von Traumata und Angst. Auch nachdem die Kinder geflohen sind, verschwinden die Auswirkungen nicht, weil Unsicherheit und Risiken in Vertreibungssituationen bestehen bleiben. Selbst Kinder, die körperlich unversehrt bleiben, sind langfristig schwer belastet.
Ashan, Leiter der Nothilfe von War Child für den Sudan, erklärt, dass viele Kinder gegenüber der Gewalt um sie herum zunehmend abstumpfen.
Die psychologischen Auswirkungen dieses Krieges sind enorm und überall sichtbar. Es ist herzzerreißend zu hören, wenn Eltern davon berichten, dass Kinder keine Angst mehr vor Drohnen haben und sich an die Geräusche des Krieges gewöhnt haben.
Eine Generation ohne Bildungsmöglichkeiten

Fast 14 Millionen Kinder gehen aufgrund des Konflikts nicht zur Schule. Schulen wurden zerstört, geschlossen oder werden als Notunterkünfte genutzt.
„Ich habe die weiterführende Schule besucht. Ich vermisse meine Schule, meine Freunde und vor allem meine Mutter. Ich hoffe, Krankenschwester werden zu können, damit ich meiner Familie helfen und meine Community unterstützen kann“, berichtet ein 16-jähriges Mädchen, das durch den Konflikt vertrieben wurde.
Die Arbeit von War Child
Seit Ende 2024 arbeitet War Child mit lokalen Partnern im Sudan zusammen, um vom Konflikt betroffene Kinder und ihre Familien zu unterstützen und lebenswichtige Nothilfe zu leisten.
2025 starteten wir Programme in mehreren Regionen, die insgesamt 12.317 Menschen erreichten – und Kinderschutzmaßnahmen, psychosoziale Unterstützung, Bildung und Leistungen wie Case Management und Informationsbereitstellung umfassten. 6.641 Kinder aus Unterkünften für Vertriebene erhielten psychologische Betreuung durch mobile Beratungsstellen. Weitere 670 Kinder erhielten Lernmaterialien, Unterstützung bei der Prüfungsvorbereitung und Nachhilfeunterricht. Außerdem wurden lokale Kinderschutzgremien eingerichtet.
Mit Unterstützung schulbasierter Kinderschutzgremien schaffen wir ein sicheres und unterstützendes Lernumfeld, damit vertriebene Schüler wieder lernen können. Es wird aber mehr Unterstützung gebraucht, so Ronald, Kinderschutz-Manager bei War Child.
An Aufklärungssitzungen zu Kinderrechten nahmen rund 1.500 Jungen und Mädchen teil. Zudem erreichten Sitzungen für Betreuungspersonen und Mitglieder von Schulgremien etwa 493 Menschen.

Wir dürfen nicht aufhören, über den Sudan zu sprechen
Für Menschen außerhalb des Sudans mag sich die Krise weit entfernt anfühlen. Doch für die Kinder vor Ort bedeutet sie, ohne Schulunterricht aufzuwachsen sowie in ständiger Gefahr und Ungewissheit darüber, was der nächste Tag bringen wird.
Trotz allem geben die Kinder ihre Hoffnung nicht auf: die Hoffnung, wieder zur Schule gehen zu können, ihren Familien zu helfen und in Frieden zu leben.
Ich hoffe, dass der Krieg endet und Frieden kommt, und ich möchte wieder zur Schule gehen und Anwältin werden. Das ist mein größter Wunsch, so ein 15-jähriges Mädchen, das durch den Konflikt vertrieben wurde.
Drei Jahre nach Beginn des Konflikts warten die Kinder im Sudan noch immer auf Sicherheit, auf Bildung und auf die Chance, einfach wieder Kinder sein zu dürfen.


