1000 Tage Krieg: Mütter über Schwangerschaft, Geburt und das Überleben in Gaza

Eine Mutter mit Kopftuch steht inmitten von Trümmern und Zelten mit einem Baby im Arm.
Der 3. Juli 2026 markiert 1.000 Tage Krieg in Gaza. Mütter, die während des Krieges ein Kind zur Welt gebracht haben, berichten von Schwangerschaften ohne ausreichend Nahrung und von der ständigen Angst um ihre eigene Gesundheit und die ihrer Kinder. Sie erzählen von Fußmärschen ins Krankenhaus, um dort zu entbinden, und davon, ihre Neugeborenen anschließend in Zelten versorgen zu müssen.

Die Krise für Kinder und ihre Familien in Gaza ist noch lange nicht vorbei. Berichte, die War Child in Gaza gesammelt hat, erzählen Geschichten von Kindern, die im Krieg geboren wurden und Gewalt, Hunger und Vertreibung seit ihrem ersten Lebenstag als Alltag erleben. 

Schwangerschaft und Geburt im Gazastreifen

Shatha’s Geschichte

Wie viele Frauen im Gazastreifen war Shatha* (im sechsten Monat) schwanger, als die Waffenruhe brach und die Grenzübergänge wieder geschlossen wurden. Der Hunger kehrte zurück. Sie erzählt, dass sie aufgehört habe, an sich selbst zu denken, und sich nur noch auf das Kind konzentriert habe: 

Ich hatte Angst: Kann ich sie in meinem Bauch ausreichend versorgen? Würde sie gesund zur Welt kommen – trotz der vielen abgefeuerten Raketen, der Asche, die wir eingeatmet hatten, der giftigen Chemikalien aus den Explosionen und des Rauchs, der in unsere Körper eingedrungen ist?

Drei Tage lang lag sie in den Wehen. Die behandelnde Ärztin war sichtlich abgemagert – zu schwach, um die Geburt angemessen zu begleiten:

Als ich ins Krankenhaus kam, war das medizinische Personal völlig erschöpft. Zu dieser Zeit gab es kein Brot. Ich erinnere mich, wie dünn die Ärztin war. Sie war nicht in der Lage, die Geburt zu unterstützen. Nach drei Tagen kam meine Tochter glücklicherweise zur Welt.

In den folgenden Wochen konnte Shatha ihr Baby nicht stillen – ihr Körper war nach Monaten, die sie als Zeit des Hungerns beschreibt, völlig erschöpft. Sie versuchte, Babynahrung zu bekommen, die jedoch knapp und teuer war. Windeln waren fast unmöglich zu bekommen.

Als die Angriffe nachts heftiger wurden, habe ich mir gewünscht, ich könnte sie wieder in meinen Bauch zurückstecken – ich habe mir solche Sorgen um sie gemacht, aber wir mussten trotzdem weitermachen.

Geburt und Kindheit unter Beschuss 

Eine zweite Mutter schildert eine nahezu identische Erfahrung. Sie floh unter Beschuss in Richtung Süden, während sie Wehen hatte. Da sie keinen Krankenwagen rufen konnte, lief sie so lange, bis sie ein Transportmittel fand, um ein Krankenhaus zu erreichen. Ihre größte Angst während der gesamten Schwangerschaft galt nicht ihrem Tod, sondern den Auswirkungen der Chemikalien in der Luft auf ihr ungeborenes Kind. 

Nach der Geburt ihres Sohnes fertigte sie per Hand Windeln aus Stoffstreifen an. Ein einzelner Streifen kostete umgerechnet etwa 7 Euro und hielt nur wenige Tage. Auch sie konnte nicht ausreichend stillen und ihr Baby überlebte durch Säuglingsnahrung, die sie sich kaum leisten konnte. 

Ich möchte, dass meine Kinder wissen, dass ich alles tun würde, um sie zu beschützen.

Kinder in Gaza kämpfen weiter ums Überleben

Die Erlebnisse der Frauen sind keine Einzelfälle. Eine UN-Untersuchungskommission berichtete erst kürzlich, dass Frauen in Gaza im Oktober 2024 mit einem Anstieg von Fehlgeburten und Geburtskomplikationen um 300 Prozent konfrontiert waren. 

War Child war im gesamten Verlauf des Konflikts gemeinsam mit Partnerorganisationen in Gaza aktiv. Wir wissen: Die von beiden Müttern beschriebenen Zustände spiegeln das allgemeine Bild und die Situation von Familien im gesamten Gazastreifen wider. Eine Mitarbeiterin beschreibt ihre Hilflosigkeit, die sie empfindet, wenn sie sieht, wie Kinder mit Dingen umgehen müssen, die ihrem Alter nicht angemessen sind:

Es ist so schwer, ein Kind zu sehen, das Töpfe für Essen statt einer Schultasche trägt. Sie schleppen Wasserbehälter, die größer sind als sie selbst. Man sieht sie Feuerholz sammeln, um ihren Familien zu helfen.

Ein Mädchen ist in der Hocke und füllt Wasser in einen Kanister. Im Hintergrund sind Zelte zu sehen. Sie schaut in die Kamera.

Was bedeuten 1.000 Tage Krieg für Kinder?

1.000 Tage nach Beginn des Krieges sind Kinder und ihre Familien in Gaza weiterhin mit Hunger, Vertreibung und dem Zusammenbruch der Grundversorgung konfrontiert. Eltern leben in ständiger Angst vor dem Mangel an sauberem Wasser, davor, keine sichere Unterkunft für ihre Familie zu haben, und vor einer Zukunft ohne Schulen. Eine echte Waffenruhe hat es nicht gegeben. „Ich möchte nicht, dass die Welt glaubt, uns ginge es wieder gut“, so Shatha.

Die Menschen könnten denken, der Krieg sei vorbei und das Leben sei wieder normal. Das ist nicht der Fall. Mein größter Wunsch ist es, dass meine Tochter in einer sicheren Umgebung aufwächst und zur Schule gehen kann. Hier gibt es keine Schulen.

Flutra Gorana, War Childs Regionaldirektorin für den Nahen Osten, sagt:

1000 Tage nach Beginn dieses Krieges werden Kinder in Gaza in eine Hungersnot hineingeboren und wachsen in Zelten auf. Die Mütter, die uns ihre Geschichten von extremer Angst erzählt haben, sind keine Ausnahme – sie stehen stellvertretend für Zehntausende Frauen, die unter Angriffen entbunden haben, ihre Kinder aufgrund von Hunger nicht stillen konnten und nachts in Zelten wach lagen und sich fragten, ob ihre Kinder die Nacht überleben würden. Über die unmittelbaren Auswirkungen hinaus wird dies langfristige psychische Folgen für eine ganze Generation bedeuten. Die Welt schaut weiterhin weg. Das darf nicht so weitergehen.

War Child fordert alle Konfliktparteien auf, jegliche Gewalt sofort und bedingungslos zu beenden, die Waffenruhe einzuhalten, sämtliche Beschränkungen für humanitäre Hilfe aufzuheben und alle Maßnahmen zu beenden, die zur Vertreibung und Enteignung der palästinensischen Bevölkerung in den besetzten palästinensischen Gebieten führen. 

So leistet War Child Nothilfe für Kinder und Familien in der Region

War Child unterstützt Kinder und Familien in Gaza sowie in den besetzten palästinensischen Gebieten gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen:

– Im Jahr 2026 haben unsere Teams bereits über 90.000 Menschen mit humanitärer Hilfe – Kinderschutzmaßnahmen, Bildungsangeboten sowie psychosozialer Unterstützung – erreicht.

Im Jahr 2025 haben wir mehr als 340.000 Menschen unterstützt, darunter mehr als 145.000 Kinder. 

*Name wurde geändert.