Laut dem Jahresbericht des Generalsekretärs der Vereinten Nationen (UN) über Kinder und bewaffnete Konflikte waren im Jahr 2025 24.174 Kinder von schweren Rechtsverletzungen in bewaffneten Konflikten betroffen – ein Anstieg um acht Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Erstmals in der Geschichte des Berichts wurden Regierungstruppen zudem als Hauptverursacher dieser Verstöße identifiziert. Zum vierten Mal in Folge tragen Regierungen und Regierungskräfte die Hauptverantwortung für die Tötung und Verstümmelung von Kindern, für Angriffe auf Schulen und Krankenhäuser sowie für die Verweigerung humanitärer Hilfe. Im Jahr 2025 stieg die Zahl der getöteten Kinder um 34 % und die der verstümmelten Kinder um 10 %. Diese Gewalt wurde in erster Linie von Staaten ausgeübt, die sich zum Schutz von Kindern verpflichtet haben
Moderne Kriegsführung trifft die Schwächsten
Die Ergebnisse zeigen eine deutliche Veränderung gegenüber der Zeit, als die UNO mit der Berichterstattung begann und der Fokus vor allem auf nichtstaatlichen bewaffneten Gruppen lag. Heute sind es zunehmend Staaten – mit ihrer Luftwaffe, ihren Drohnen und ihren Präzisionswaffen –, die für die schwersten Schäden in den 23 untersuchten Ländern verantwortlich sind. Diese Waffen werden so eingesetzt, dass sie Zivilpersonen, darunter auch Kinder, in großem Umfang töten und verstümmeln, was einen klaren Verstoß gegen die Verpflichtungen nach dem humanitären Völkerrecht darstellt.
Weltweit lebt inzwischen jedes fünfte Kind in einem Konfliktgebiet, und eine Rekordzahl von Kindern ist dort Verletzungen ihrer grundlegendsten Rechte ausgesetzt. Die Folgen für Kinder sind schwer und langfristig: lebenslange körperliche Behinderungen durch Sprengwaffen, Amputationen und unbehandelte Verletzungen, akute Unterernährung aufgrund blockierter Hilfslieferungen sowie die Zerstörung von Schulen und Gesundheitssystemen.
Die unsichtbaren Wunden: Psychische Folgen für Kinder sind verheerend
Diese Zahlen bilden sogar nur einen Teil der Realität ab. Ebenfalls verheerend sind für viele betroffene Kinder und Jugendliche die ständige Angst, Trauer, der Verlust von Kontrolle, die fehlende Sicherheit, wiederholte Vertreibungen und die langfristigen Auswirkungen auf ihre psychische Gesundheit.

War Child fordert Regierungen das Völkerrecht einzuhalten
Rocco Blume, Leiter der Advocacy-Arbeit bei der War Child Alliance, erklärte:
„Dieser Bericht schreibt aus schlimmen Gründen Geschichte. Eine Rekordzahl betroffener Kinder. Zum ersten Mal seit drei Jahrzehnten werden Regierungen als Hauptverursacher genannt – und zum vierten Mal in Folge tragen sie die Hauptverantwortung für das Töten und die Verstümmelung von Kindern, für Angriffe auf Schulen und Krankenhäuser sowie für die Blockade humanitärer Hilfe.
Viele der Regierungen, die weltweit humanitäre Hilfe finanzieren, sind zugleich politische Verbündete der genannten Verantwortlichen und verfügen über den nötigen Einfluss, etwas zu unternehmen, nutzen diesen jedoch nicht. Solange Geberstaaten nicht bereit sind, echten Druck auf ihre Verbündeten auszuüben, bleiben Versuche, Verantwortliche in den Fokus zu rücken, ein bloßes Benennungsritual ohne Konsequenzen.“
War Child fordert alle Staaten auf, ihren Verpflichtungen gemäß dem humanitären Völkerrecht nachzukommen und ihren Einfluss geltend zu machen, um die aufgeführten Parteien zur Rechenschaft zu ziehen.