Ukraine: Krieg geht ins fünfte Jahr

Blondes Mädchen im Alter von etwa 5 Jahren schaut trostlos. Sie sitzt in einem Rosa gestrichenen Zimmer auf ihrem Bett.
Vier Jahre nach der jüngsten russischen Invasion ist das Leben von Millionen von Kindern weiterhin durch Angst, Unsicherheit und Vertreibung geprägt. Für viele ukrainische Kinder ist der Konflikt sogar bereits seit 2014 Realität, als der Krieg im Osten der Ukraine begann.

Bildung unter Beschuss: Wie Kinder in der Ukraine im Krieg lernen

Derzeit benötigen etwa 2,4 Millionen Kinder in der Ukraine humanitäre Hilfe. Der jahrelange Krieg hat alle Bereiche ihrer Kindheit beeinträchtigt – von Bildung und Sicherheit bis hin zu ihrer psychischen Gesundheit und ihrem Wohlbefinden. Viele Kinder haben wiederholt Vertreibung, Verluste und Traumata erlebt, ohne dass ein Ende in Sicht ist.  

Der Bereich Bildung ist weiterhin massiv beeinträchtigt. Ende 2025 waren schätzungsweise 1,6 Millionen Kinder aufgrund von Vertreibung, beschädigten Einrichtungen und fehlender Sicherheit mit Bildungsbarrieren konfrontiert. Präsenzunterricht ist während der eisigen Wintermonate zunehmend schwieriger geworden, da Angriffe auf die Energieinfrastruktur dazu führen, dass Häuser und Schulen keinen Strom, Heizung oder Wasser haben. Für viele Kinder findet der Unterricht inzwischen unterirdisch statt und der Unterrichtsraum dient gleichzeitig als Schutzraum während Luftangriffen. 

Unterirdisch zu lernen, in ständiger Angst, ist sehr schwer und anstrengend, sagt die 14-jährige Viktoriya. Man versucht, sich auf den Unterricht zu konzentrieren, aber im Kopf schwirrt nur eine Frage herum: Ist es gerade sicher?

Trotzdem träumt Viktoriya davon, zu reisen, zu studieren und Verwandte wiederzusehen, von denen sie durch den Krieg getrennt wurde. 

Kindheit zwischen Sirenen und Vertreibung

Ich träume von ruhigen Nächten ohne Sirenen, sagt die 12-jährige Elizaveta aus Sumy. Ich träume davon, dass meine Schule ein Ort des Lernens ist und kein Schutzraum. Und ich träume von einer Zukunft, in der Kinder in der Ukraine ohne Angst leben und an ein glückliches Morgen glauben können.

Innerhalb des Landes sind weiterhin 3,7 Millionen Menschen vertrieben, darunter 1,3 Millionen Kinder. Familien leben in einem Zustand permanenter Unsicherheit und müssen ihren Alltag zwischen Sirenen, Schutzräumen und dem Kampf um die Erfüllung grundlegender Bedürfnisse bewältigen. Für Kinder bedeutet diese anhaltende Instabilität einen frühzeitigen Verlust ihrer Kindheit. Die 14-jährige Anna erzählt:

Der Krieg hat mich gezwungen, schneller erwachsen zu werden, als ich sollte. Wir ukrainische Kinder werden schneller erwachsen, wegen der Angst, den Verlusten und der Verantwortung. Das Schwerste ist, Dinge zu sehen, die Kinder niemals sehen sollten.

Dieser Winter war besonders verheerend. Kinder und ihre Familien mussten tagelang ohne Heizung, Strom oder Wasser auskommen. Die eisigen Temperaturen haben viele Kinder vom Schulbesuch abgehalten und sich direkt auf ihre Gesundheit, ihre Sicherheit und ihr Wohlbefinden ausgewirkt. Die Familien befinden sich weiterhin im Überlebensmodus und müssen unerträgliche Entscheidungen treffen, um ihre Kinder warmhalten, ernähren und schützen zu können.  

Aufwachsen ohne Angst: Wünsche und Träume der Kinder 

Der 15-jährige Rostyslav berichtet:

Ich möchte, dass der Krieg endet. Ich möchte, dass die ständigen Bombardierungen aufhören, denn wenn wir in die Schutzräume gehen, fühlt es sich an, als würde unser ganzes Leben zum Stillstand kommen.

Dennoch träumt Rostyslav davon, beim Wiederaufbau seines Landes zu helfen:

Nach dem Krieg würde ich dabei helfen, Städte wieder aufzubauen. Ich möchte Menschen helfen, die ihr Zuhause verloren haben, denn ich weiß, wie schwer es ist, sein Zuhause zu verlassen und keinen Ort zu haben, zu dem man zurückkehren kann.

Yaroslava Mozghova, Programmleiterin bei War Child in der Ukraine, erklärt: 

Diese Kinder verlangen nichts Außergewöhnliches. Sie bitten um ruhige Nächte, sichere Schulen und die Möglichkeit, ohne Angst aufzuwachsen. Vier Jahre nach Beginn des vollumfänglichen Krieges dürfen Angriffe auf Zivilist*innen und zivile Infrastruktur nicht zur Normalität werden. Der Schutz von Kindern ist eine Verpflichtung nach dem humanitären Völkerrecht.

Einflussreiche Staaten müssen auf die vollständige Einhaltung des humanitären Völkerrechts drängen, einschließlich des Schutzes von Zivilbevölkerung und ziviler Infrastruktur. Angriffe auf Energiesysteme, Schulen und grundlegende Versorgungsdienste müssen aufhören. 

Der Schutz der Kinder muss als unmittelbare Verpflichtung behandelt werden – nicht als fernes Ziel. Zu Beginn eines weiteren Kriegsjahres träumen die Kinder der Ukraine weiterhin vom Lernen, vom Wiederaufbau und von einem Leben ohne Angst.  

War Childs Arbeit für Kinder in der Ukraine seit 2022

War Child unterstützt vom Krieg betroffene Kinder in der Ukraine seit 2022 – und setzt dabei den Schwerpunkt auf Kinderschutz, Bildung sowie psychosoziale und psychische Unterstützung. Seit 2023 hat War Child durch Partnerorganisationen mehr als 310.000 Menschen erreicht, darunter über 280.000 Kinder. In Zusammenarbeit mit neun lokalen Partnern ist War Child derzeit in den Regionen Donezk, Charkiw, Sumy, Kropyvnyzkyj, Lwiw, Tscherniwzi und Chmelnyzkyj tätig. 

Auf einer Grünen Wiese sind zwei kleine Kindergruppen, die jeweils ein aufgespanntes buntes Tuch auf dem Boden liegen haben. Drum herum sitzen Kinder. In der Mitte der Nebeneinander gespannten Tücher sitzt jeweils ein Kind. Bei der rechten Gruppe hält eine Frau dem Kind in der Mitte ein Mikrofon zu.
Tarashcha, Ukraine – 2025

Hinweis: 
Die befragten Kinder nahmen 2025 an Programmen von War Child in der Ukraine teil.