Die zunehmende Gewalt geht mit einer eklatanten Missachtung des humanitären Völkerrechts einher und gefährdet das Leben von Millionen Menschen. Das Recht ist eindeutig: Zivilist*innen und Kinder haben in Kriegszeiten Anspruch auf besonderen Schutz. Kinder – und die Orte, an denen sie leben, lernen, genesen und spielen – dürfen niemals zum Angriffsziel werden. Kinder und Familien müssen Zugang zur benötigten humanitären Hilfe erhalten. Dort, wo Evakuierungsanordnungen notwendig sind, müssen sie die Sicherheit von Kindern priorisieren, klare Informationen liefern, ausreichend Zeit einräumen sowie sichere Routen und Bedingungen gewährleisten.
Ein Alltag geprägt von Angst und Zerstörung
In vielen der Länder, in denen War Child tätig ist, sieht die Realität für Kinder ganz anders aus. Berichte über schwere Verletzungen von Kinderrechten unterstreichen die Schwere dieser Krise. Auch wenn offizielle Zahlen noch bestätigt werden müssen, gibt es zutiefst besorgniserregende Berichte über Kinder, die durch die Gewalt getötet wurden. Explosionen und Trümmer in bewohnten Gebieten – in den besetzten palästinensischen Gebieten, im Libanon und in Jordanien – töten und verletzen Kinder und ihre Familien, zerstören Häuser und verbreiten Angst weit über den Ort der Explosion hinaus.
Ein Mitarbeiter im Westjordanland beschrieb die dortige Situation:
In vielen Geschäften gehen die Grundnahrungsmittel aus. Es gibt keinen Treibstoff und die Schulen sind geschlossen. Alle paar Stunden hören wir Alarmsignale, gefolgt von schweren Explosionen, die das ganze Haus erschüttern. Wir haben keinen Schutzraum, in den wir flüchten könnten. Wir versuchen, unsere Angst vor unseren Kindern zu verbergen und sie zu beruhigen. Die Zeit vergeht hier nur sehr langsam.
Es gibt unter anderem Berichte über Schulschließungen im Libanon, in den besetzten palästinensischen Gebieten und im Süden Syriens. Klassenzimmer im Libanon wurden in Notunterkünfte umgewandelt. Kinder in der gesamten Region erhalten erneut keinen Unterricht und verlieren die Stabilität, die Schulen in Krisenzeiten bieten.
Massenvertreibung und fehlende Hilfe
Am 2. und 3. März wurden im Südlibanon großflächige Evakuierungsanordnungen erteilt, die fast 30.000 Menschen, darunter 9.000 Kinder, zwangen, ihr Zuhause innerhalb kürzester Zeit zu verlassen und sie über Nacht aus ihrer gewohnten Umgebung rissen. Nach Angaben der libanesischen Einheit für Katastrophenrisikomanagement gibt es mehr als 58.000 Binnenvertriebene. Innerhalb von 24 Stunden überquerten rund 11.000 syrische Menschen aus Angst um ihr Leben die Grenze vom Libanon nach Syrien. Der humanitäre Bedarf für Familien auf der Flucht ist groß. Kinder und Familien benötigen dringend Nahrungsmittel, eine sichere Unterkunft und warme Kleidung.
In Gaza erhalten Kinder und Familien noch immer nicht die Hilfe, die sie dringend benötigen. Im Westjordanland gefährden Bewegungsbeschränkungen und die zunehmende Unsicherheit – einschließlich der Gefahr von Festnahmen, Schikanen und Gewalt an Kontrollpunkten, die Zivilist*innen und humanitäre Helfer gleichermaßen betreffen – das tägliche Leben weiter und behindern die Unterstützung von Kindern und Familien.
Auch Waffenruhen konnten Kinder nicht schützen. In den besetzten palästinensischen Gebieten wurden seit der Vereinbarung der Waffenruhe mehr als 120 Kinder getötet, im Libanon waren es mehr als 13 Kinder. Kinder und Familien sind nun noch mehr Gewalt und zunehmenden Gefahren ausgesetzt.
Wir sind zutiefst alarmiert über das Ausmaß der anhaltenden Verstöße, denen Kinder in der gesamten Region ausgesetzt sind“, sagt Flutra Gorana, Regionaldirektorin für den Nahen Osten bei War Child. „Es ist wichtig, sich vor Augen zu führen, was diese für ein Kind bedeuten. Es bedeutet, nachts wach zu liegen und sich zu fragen, ob man diese Nacht sicher ist. Es bedeutet, das Geräusch von Luftangriffen zu kennen, anstatt in der Schule lernen zu können. Kinder denken nicht in juristischen Kategorien – für sie zählt nur, ob sich die Welt sicher anfühlt. Und im Moment tut sie das nicht. Die Angst, mit der sie heute leben, wird nicht einfach verschwinden. Sie wird prägen.
Unsere Forderungen
War Child ruft zur sofortigen Deeskalation auf. Wir fordern alle Konfliktparteien auf:
– Das humanitäre Völkerrecht einzuhalten und Kinder sowie Zivilist*innen zu schützen.
– Kinder an erste Stelle zu setzen. Und ihr Recht auf Leben, Sicherheit, Bildung, die Einheit der Familie und Unterstützung bei der Bewältigung von Traumata zu schützen, unter anderem durch eine angemessene Finanzierung von Kinderschutz- und psychologischen Diensten.
– Schwere Verbrechen gegen Kinder zu stoppen und Verantwortliche zur Rechenschaft zu ziehen.
– Den Einsatz explosiver Waffen in bevölkerten Gebieten sofort zu beenden.
Die Teams von War Child mobilisieren sich in der gesamten Region, mit einem ersten Schwerpunkt auf dem Libanon. Wir sind bereit zu reagieren, sobald die Zugangs- und Sicherheitsbedingungen es zulassen.


