Drei Monate Krieg im Libanon: So leistet War Child Nothilfe

Zwei kleine Kinder stehen Arm in Arm vor einem Flüchtlingslager im Libanon.
Die Krise geht nun in ihren vierten Monat. War Child und unsere Partner erreichen weiterhin vertriebene Familien im gesamten Libanon. Zu unseren Partnern gehören die Alawite Islamic Charity Association (AICA), Development for People and Nature (DPNA), die Lebanese Organization for Studies and Training (LOST) und Nusaned. Die Hilfe läuft trotz der anhaltenden Feindseligkeiten. Das Umfeld für die Kinder bleibt zutiefst unsicher.

Anhaltende Luftangriffe trotz „Waffenruhe“

Seit dem Beginn des Kriegs im Libanon am 28. Februar sind nun drei Monate vergangen, und die Situation bleibt zutiefst besorgniserregend. Besonders seit Anfang März erlebt das Land eine schwere Eskalation durch Luftangriffe, Artilleriebeschuss und Bodenoperationen.

Insgesamt wurden im Libanon mindestens 200 Kinder getötet und 806 verletzt – viele davon sogar während der offiziellen „Waffenruhe“. Mehr als eine Million Menschen (1,05 Millionen) mussten bereits aus ihrer Heimat fliehen, wobei Kinder einen Anteil von 35 % ausmachen. Über 130.000 Menschen, darunter mehr als 44.800 Kinder, leben derzeit in Notunterkünften.

Obwohl eine Waffenruhe verkündet wurde, hat diese nicht gehalten. Tägliche Verstöße wie Luftangriffe, Beschuss, Zerstörungen und Bewegungseinschränkungen gehen weiter, insbesondere im Südlibanon sowie in den Gouvernements Nabatiye und Bekaa. Erst diese Woche kündigte die israelische Regierung an, die Angriffe auf den Libanon trotz der Waffenruhe weiter zu intensivieren. Dies macht eine sichere Rückkehr für vertriebene Familien extrem schwierig und stellt Hilfsorganisationen vor enorme Herausforderungen, die dringend benötigte Hilfe zu den Kindern und Betreuungspersonen zu bringen

Diverse Folgen für Kinder

Die Folgen für die Kinder lassen sich kaum in Zahlen ausdrücken. Da ihr Körper noch im Wachstum ist, treffen sie Verletzungen, Mangelernährung und Krankheiten besonders hart. Zudem raubt die Flucht den Kindern die Schulausbildung und den geregelten Alltag – genau die Stabilität, die sie für eine gesunde Entwicklung so dringend brauchen. Da staatliche Schulen im ganzen Land als Notunterkünfte dienen, fällt der Unterricht seit Monaten aus. Das betrifft inzwischen fast alle Kinder, selbst wenn sie nicht fliehen mussten.

Des Weiteren wurden viele Kinder von ihren Bezugspersonen getrennt oder mussten schwere Gewalt mitansehen – Erlebnisse, die tiefe psychische Wunden hinterlassen. Außerdem bieten die überfüllten Gemeinschaftsunterkünfte zwar lebenswichtigen Schutz, bergen aber auch große Gefahren durch Krankheiten, Missbrauch und Ausbeutung. Darunter leiden die Jüngsten und vor allem Mädchen am härtesten. Wenn Kinder in solchen langanhaltenden Krisen jahrelang keine Bildung und Unterstützung erhalten, hat das Folgen für ihr gesamtes weiteres Leben. Mehr als ein Drittel der Vertriebenen im Libanon sind Kinder. Das zeigt unmissverständlich, wer in diesem Konflikt am meisten gefährdet ist und warum unsere Hilfe konsequent an den Bedürfnissen der Kinder ansetzen muss.

Was War Child im Libanon tut

Als die Krise begann, hat War Child sofort mit Nothilfemaßnahmen gestartet. Gemeinsam mit unseren Partnern haben wir bereits mehr als 18.000 Menschen erreicht und unter anderem 188.954 Mahlzeiten in über 35 Unterkünften verteilt.

In Beirut und dem Libanongebirge (Mount Lebanon) bieten wir psychosoziale Unterstützung sowie Freizeitaktivitäten für Kinder und Betreuungspersonen in Notunterkünften an. Die dafür eingesetzten Betreuerinnen und Betreuer werden derzeit intensiv geschult. Im Nordlibanon führen wir unsere Kinderschutzarbeit durch Aufklärungskampagnen für Eltern, kinderfreundliche Aktivitäten und gemeindebasierte psychosoziale Unterstützung fort.

Hier ist eine Momentaufnahme dessen, was wir bisher gemeinsam mit unseren vier Partnern erreicht haben. Zu ihnen gehören die Alawite Islamic Charity Association (AICA), Development for People and Nature (DPNA), die Lebanese Organization for Studies and Training (LOST) und Nusaned:

– 30.768 kalte Mahlzeiten
– 158.186 warme Mahlzeiten
– 256 verzehrfertige Essenspakete (Ready-to-eat Kits)
– 56 Lebensmittelpakete
– 65 Packungen Windeln
– 218 erreichte Betreuungspersonen durch Informations- und Aufklärungsveranstaltungen
– 75 unterstützte Kinder durch gemeindebasierte psychosoziale Aktivitäten

War Child leitet außerdem ein Konsortium von NGOs, um Hilfsmaßnahmen in den Regionen Libanongebirge, Baalbek-Hermel und Südlibanon zu bündeln. Diese integrierte Hilfe umfasst die Bereiche Ernährungssicherung, Wasser- und Sanitärversorgung, Bargeldhilfe (Cash Assistance) und Schutzdienste.

Die Krise geht jedoch weiter und wir benötigen wie viele andere NGOs dringend mehr finanzielle Mittel. Unser Ziel ist es, 2,5 Millionen Euro zu sammeln, um bis August 2026 rund 15.000 Menschen mit dringendem humanitären Bedarf zu erreichen. Dazu gehört auch die Integration des Care-Systems von War Child. Diese Kombination aus psychosozialer Unterstützung, Kinderschutz und Bildung hilft den Kindern dabei, ihr Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen und neues Vertrauen in sich selbst und andere zu fassen. Gemeinsam mit unseren Partnern werden wir unermüdlich weiterarbeiten, um genau die Familien und Kinder zu erreichen, die diese Hilfe am dringendsten benötigen.