Die Kämpfe dauern in vielen Teilen der Region weiterhin an, und jede Woche werden neue Vertreibungen gemeldet. Allein in diesem Jahr mussten bereits rund 850.000 Menschen ihre Heimat verlassen – etwa die Hälfte von ihnen sind Kinder.
Unzählige Kinder ohne Begleitung
Grace ist 16 Jahre alt. Als zu Beginn des Jahres Gewalt in ihrem Dorf eskalierte, wurde sie von ihren Eltern getrennt.
Wir flohen vor dem Krieg. So habe ich meine Eltern verloren.
Dank des Netzwerks zur Identifikation, Registrierung, Suche und Wiedervereinigung konnte War Child sie unterstützen. Gemeinsam mit unseren Partnern fanden wir eine Übergangspflegefamilie für Grace in Kibumba. „Seitdem kümmern sie sich um mich“, sagt sie. „Vorher hatte ich nichts. Nicht einmal ein zweites Kleid zum Anziehen.“ Neben psychosozialer Hilfe erhielt Grace ein Nothilfe-Set mit Kleidung, Schuhen, einer Matratze, Decke, Seife und Hygieneartikeln. Grace erklärt:
Gerade für ein Mädchen ist das wichtig. Ich hatte keine Kleidung, keine Unterwäsche, nicht einmal Seife. Jetzt kann ich mich ordentlich anziehen und waschen.
Grace ist eines von über 70 Kindern, die in diesem Jahr ohne Begleitung oder von ihren Familien getrennt bei War Child Unterstützung gefunden haben. Unsere Teams und Partner arbeiten täglich daran, Familien ausfindig zu machen und Kinder – wo immer möglich – wieder mit ihnen zu vereinen.
„Wir suchen die Familien, eine nach der anderen.“
Rosette Mangaza ist Teil des Child Protection Teams von War Child und engagiert sich im Netzwerk, das Kinder identifiziert und unterstützt, die von ihren Familien getrennt wurden.
Es gibt so viele Kinder, die ganz allein sind
erzählt Rosette Mangaza. „Einige leben bereits bei Pflegefamilien, andere warten noch auf eine Unterbringung. Wir suchen ihre Angehörigen, führen Gespräche zur Familienmediation und bringen sie – wenn möglich – wieder mit ihren Eltern oder Verwandten zusammen.“


Rosette hat die Folgen des Konflikts mit eigenen Augen gesehen: „Viele Menschen sind in ihre Dörfer zurückgekehrt – und fanden ihre Häuser zerstört, ihre Felder geplündert. Sie haben nichts mehr.“ Trotz allem bleibt sie hoffnungsvoll. „Mit diesem Projekt helfen wir den Kindern – und auch den Familien, die sie bei sich aufnehmen. Aber wir brauchen mehr Unterstützung. Viele dieser Kinder haben wirklich niemanden mehr.“
Rückkehr ins Ungewisse
Währenddessen kehren viele Gemeinden, die zuvor durch Gewalt auseinandergerissen wurden, in ihre Dörfer zurück – nur um festzustellen, dass fast alles zerstört oder geplündert wurde.
„Es herrscht eine akute Krise“, erklärt Isaac Rwambakumba, Notfallkoordinator bei War Child.
„Tausende Menschen wurden vertrieben. Einige flohen nach Goma – doch als die Kämpfe auch dort eskalierten, kehrten sie in ihre bereits zerstörten Dörfer zurück.“ Für viele dieser Rückkehrer*innen bedeutet nach Hause kommen, wieder ganz von vorne anzufangen.
Anfang April verteilte War Child 1.260 Nothilfe-Kits in Regionen wie Kirotche und Bweremana – und erreichte damit über 7.500 Menschen. Die Pakete enthielten Bettzeug, Kochutensilien und Hygieneartikel – Dinge des täglichen Bedarfs für Familien, die alles verloren haben. Alliance, eine schwangere Mutter von zwei Kindern, ist eine von ihnen und erzählt:
Ich habe alles verloren, als wir fliehen mussten – selbst die Kochutensilien. Im Krieg haben wir alles zurückgelassen
Jetzt ist sie wieder in ihrem Dorf – und bereitet sich auf das Baby vor: „Das Hilfspaket hilft mir, wieder sicher zu kochen und mein Kind vor Kälte zu schützen. Jetzt kann ich mein Geld für das Baby sparen.“

Wie viele andere kehrte Alliance in eine Gemeinschaft zurück, in der es keine funktionierende Unterstützung mehr gibt. Keine Infrastruktur, keine Wirtschaft, keine sicheren Unterkünfte. Auch wenn noch viel mehr Hilfe nötig ist, bedeuten die Nothilfe-Kits einen wichtigen Anfang.
Isaac erklärt:
Diese Pakete sind mehr als nur Gegenstände. Sie helfen den Menschen, neu anzufangen. Sie stärken ihre Widerstandskraft. Und sie sind ein erster Schritt heraus aus der Abhängigkeit von humanitärer Hilfe.

Ein Stückchen Normalität inmitten der Krise
In Nord- und Südkivu betreibt War Child acht kinderfreundliche Räume. Dort haben bereits mehr als 7.000 Kinder psychosoziale Unterstützung und Schutz erhalten. Spielerische Aktivitäten, Gruppensitzungen und psychische Gesundheitsangebote helfen den Kindern, Traumata zu verarbeiten und wieder Normalität zu finden.
Im Bildungsbereich unterstützt War Child Kinder dabei, wieder zu lernen – durch Förderklassen, Lehrerfortbildungen, Schulrenovierungen und Lernmaterialien. Fast 18.000 Kinder sind dank dieser Maßnahmen zurück in der Schule, auch wenn viele noch in provisorischen Räumen lernen.
Trotz dieser Anstrengungen gibt es noch Lücken. Bildung und psychische Gesundheit sind in der DR-Kongo-Krise besonders unterfinanziert, obwohl sie für die Erholung wichtig sind.

Zwischen Krisenalltag und Resillienz
Trotz großer Zugangsbarrieren bleiben Isaac, Rosette und das War Child-Team mit lokalen Partnern in der DR Kongo entschlossen, Kinder und Familien zu unterstützen. Isaac unterstreicht:
Wir werden immer an der Seite der Bevölkerung stehen und uns für die nötige Unterstützung einsetzen, damit sie ihre Bedürfnisse selbst erfüllen können.
Denn trotz des Leids gibt es viel Widerstandskraft – bei Kindern wie Grace, Müttern wie Alliance, Menschen im Osten der DR Kongo und den Teams, die täglich unter großem Druck arbeiten, um Sicherheit, Zusammenhalt und Würde zu gewährleisten.
Doch die Krise ist noch lange nicht vorbei. Auch wenn eine Waffenruhe besteht, sind die Waffen nicht verstummt. Kinder werden weiterhin vertrieben, Familien getrennt, und die Bedürfnisse wachsen.


