Nach Schätzungen der Vereinten Nationen wurden innerhalb kürzester Zeit fast 700.000 Menschen im gesamten Libanon vertrieben, darunter etwa 200.000 Kinder – wobei diejenigen, die bereits vor der jüngsten Eskalation vertrieben wurden, nicht mitgezählt sind. Bei einer Zahl von rund 1,8 Millionen Kindern im Libanon ist damit jedes zehnte Kind vertrieben. Dieser Anstieg ist auf die verstärkten Luftangriffe im Libanon zurückzuführen, von denen zivile Infrastruktur und Wohngebiete betroffen sind.
Seit Beginn der Eskalation strömen Familien in Wellen in die Bekaa-Region und den Norden Libanons – mit fast nichts“, sagte ein Mitarbeiter der Lebanese Organization for Studies and Training (LOST), einem der Implementierungspartner von War Child im Libanon. „Viele Menschen bleiben bei Verwandten oder in provisorischen Unterkünften, und der Druck auf die lokalen Gemeinden wächst stündlich. Unsere Teams vor Ort haben sofort reagiert, Notfallzentren wiedereröffnet und Lager sowie Feldküchen [die als Unterkünfte und sichere Orte genutzt werden können] vorbereitet. Aber der Bedarf übersteigt bereits das, was wir mit den vorhandenen Ressourcen decken können.
Zahlreiche Risiken für Hunderttausende Kinder auf der Flucht
Kinder auf der Flucht sind zahlreichen Risiken ausgesetzt, darunter die Trennung von Familienmitgliedern, Unterbrechung der Bildung und psychische Traumata, Ausbeutung, Frühehen und verschiedenen Formen von Gewalt. War Child ist zutiefst besorgt um die vielen Kinder, die in ständiger Angst um ihre Sicherheit leben, dem Risiko von Luftangriffen auf Unterkünfte ausgesetzt sind und einen großen Bedarf an psychischer und psychosozialer Unterstützung haben.

Im gesamten Libanon werden Kinder getötet, verletzt und gezwungen, ihr Zuhause zu verlassen. Tausende schlafen auf den Böden von Klassenzimmern oder in provisorischen Unterkünften, bei Verwandten und auf der Straße, statt zu Hause“, sagte Flutra Gorana, War Childs Regionaldirektorin für den Nahen Osten. Sein Zuhause zu verlieren bedeutet, den Ort zu verlieren, an dem man sich sicher fühlt. Für ein Kind kann dieser Verlust ein Leben lang nachwirken.
War Child baut Nothilfe für vertriebene Familien im Libanon aus
Gemeinsam mit Partnern baut War Child Nothilfemaßnahmen aus, um betroffene Familien zu unterstützen. Zusammen mit der Lebanese Organization for Studies and Training (LOST) verwalten wir zum Beispiel Unterkünfte, registrieren Neuankömmlinge und versorgen sie mit Mahlzeiten, Trinkwasser und Hygieneartikeln.

War Child fordert alle Parteien auf, die Gewalt sofort zu deeskalieren, Kinder und ihre Familien sowie Schulen und Unterkünfte zu schützen und ihren Verpflichtungen nach dem humanitären Völkerrecht nachzukommen.
Zudem besteht dringender Bedarf an flexiblen Finanzmitteln, um den Bedürfnissen der Kinder gerecht zu werden, ihnen Zugang zu sicheren Unterkünften, Nahrung, sauberem Wasser, Bildung und psychosozialer Unterstützung bieten zu können.
Derzeit halten die Finanzierungsmechanismen nicht mit dem Ausmaß und der Geschwindigkeit der Vertreibung Schritt. Regierungen und institutionelle Geber müssen dringend flexible humanitäre Mittel aktivieren und aufstocken, um Helfer vor Ort und lokale Partner zu unterstützen, die bereits Hilfe leisten. Ohne eine sofortige und verlässliche Finanzierung werden die Organisationen vor Ort in den kommenden Tagen und Wochen große Schwierigkeiten haben, die lebensrettende Hilfe für vertriebene Kinder und ihre Familien aufrechtzuerhalten.


